Kinokritik: “Drive”

von Alexander Krebs

Kinostart: 26.01.2012 / Darsteller: Ryan Gosling, Carey Mulligan

Viel überschwängliches und positives wurde in den letzten Wochen und Monaten gesagt und geschrieben über diesen Film mit dem Titel „Drive“. Und immer fragte man sich, ob all die Vorschusslorbeeren und der Hype gerechtfertigt seien. Die Frage muss nun mit einem dicken „Ja“ beantwortet werden.

Die Story handelt von einem namenlosen Stuntfahrer (Ryan Gosling), der sich gelegentlich mit kriminellen Diensten ein Zubrot verdient. Eines Tages begegnet er der jungen Mutter Irene (Carey Mulligan) und ehe er sich versieht, bringt ihn die gerade aufblühende Romanze in eine Situation, die ihn dazu zwingt, über sein Leben und das ihre entscheiden zu müssen.

Schaute man sich den Trailer an, so konnte man leicht einen Actionfilm alá „Transporter“ erwarten. Doch Nicolas Winding Refns („Bronson“, „Walhalla Rising“) düstere Unterwelt-Parabel ist ein ruhiges Thrillerdrama mit sparsam – aber druchdringend – eingesetzten Actionszenen und besticht durch eine überragende Kamera, wunderschöne Optik und nicht zuletzt leidenschaftlich aufspielende Darsteller. Der starke und treibende Soundtrack tut sein Übriges.

Zwar wartet der Film ab der zweiten Hälfte mit teilweise ultrabrutaler Gewalt auf, doch wird diese niemals zum bloßen Selbstzweck eingesetzt.

Ryan Gosling, der zuletzt George Clooney in „The Ides of March“ an die Wand spielen durfte, gilt schon seit geraumer Zeit als kommender Superstar in Hollywood. Was ihn von seinen Mitstreitern jedoch unterscheidet, ist sein außergewöhnliches Gespür für gute Rollen. Keiner seiner bisherigen Filme – wie beispielsweise „Lars und die Frauen“, „Half Nelson“ und besonders „Blue Valentine“ – war ein Fehlgriff und immer noch verweigert sich der 31-jährige Kanadier vehement gegen Blockbusterrollen. Er besitzt ein Talent für „Non-Acting“, weshalb es auch nicht verwundert, dass er in „Drive“ trotz nur gefühlter 20 Sätze eine unnachahmliche Präsenz auf die Leinwand zaubert.

Die tolle Carey Mulligan steht ihm in nichts nach und jede ihrer gemeinsam Szenen ist besonders aufgrund der Gestik und Mimik absolut überzeugend.

Der übrige Cast mit Ron Perlman („Hellboy“) und Bryan Cranston („Breaking bad“, „Contagion“) überzeugt ebenso durch die Bank weg und ist völlig frei von störenden Klischees.
Ein ganz großes Ausrufezeichen setzt jedoch der normalerweise auf Komödien spezialisierte Albert Brooks (“Out of Sight”), der mit der Darstellung des Antagonisten die wohl beste Leistung seiner Karriere abliefert und eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller verdient hätte. Hätte, weil sich die Academy skandalöserweise über ihn hinweggesetzt hat.

Mit ruhigen und klassischen Schnitten und einer immer stärker werdenden Anspannung schafft es dieser besondere Arthouse-Film den Zuschauer von der brillianten Eröffnungssequenz bis hin zum Ende in den Bann zu ziehen.

Es verwundert kaum, dass „Drive“ bislang das sechsfache seines Budgets einspielen konnte und bei seiner Weltpremiere im letzten Jahr in Cannes von der überwiegenden Mehrheit der Zuschauer als bester Film im Programm angesehen wurde.

Fazit:

„Drive“ ist ein anspruchsvoller, romantischer, brutaler und spannender Thriller und mit
Leidenschft gespielt und inszeniert. Absolut sehenswert!

Driver (Gosling) und Irene (Mulligan)

 

 

 

 

 

 

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