Die Wissenschaft um unseren ökologischen Kreislauf (von Sylvia Hammer)

Thema: Wurm


Als Wurm bezeichnete man eine ganze Reihe zum Teil nur sehr entfernte verwandte wirbellose Tiere. Ursprünglich wurde von der Zoologie versucht alle wurmförmigen  Tiere aufgrund ihrer äußeren Merkmale in eine enges Verwandtschaftsverhältnis zu stellen und in einer Klasse der Würmer( Vernes) zusammenzufassen. Wegen ihres unterschiedlichen  inneren Aufbau, musste diese Idee aufgegeben werden. Auch  die Gegenüberstellung von „Höheren Würmern“( Annelida) und „ Niederen Würmern“ (Aschel- und Plathelminthes) ist heute völlig überholt. Trotzdem sind alle diese Tiere durch konvergente Evolution morphologisch einander so ähnlich, dass für eine allgemeine bzw. poluläre Betrachtung der Begriff Wurm immer noch verwendet werden kann und wird.

 

Der Regenwurm ist ein am Boden lebender, weit verbreiteter Ringelwurm, für uns der bekanntste und in unseren Gärten der Nützlichste, obwohl ihm auch Gefahren bedrohen.

Natürliche Feinde: Vögeln, Marder, Maulwurf, Igel, Spitzmaus, Erdkröten, Frösche, Ameisen,

Feuersalamander, Hundertfüßler, Laufkäfer, auch Füchse und Dachse verspeisen  ihn.

   Er ernährt sich ausschließlich von Pflanzenreste und Erde. Aus der Nahrungsaufnahme absorbiert er die organischen Stoffe. Unverdauliche Stoffe werden als Kothäufchen abgegeben, die wiederum reich an Mineralstoffe zum gedeihen von Pflanzen unverzichtbar sind; so erkennen wir in der lockere Erde nicht die Kothäufchen.

   Bei genauem Hinsehen erkennt man für ihn einige charakteristische Besonderheiten. Davon sind  150 Körperringe oder Segmente das auffälligste Merkmal. Sein Kopf erkennt man auf den ersten Blick genauso wenig wie sein Hinterteil. Ein vorgezogenes Segment bildet der Kopflappen an einem Körperende, der die Mundöffnung überdeckt. In jedem folgenden Segment sind vier Paar Chintinborsten in die schleimige, nackte und feuchte Haut eingelassen. Sie unterstützen  die Fortbewegung. Im vorderen Drittel befindet sich der Gürtel, eine hellgefärbte Verdickung, die in der Fortpflanzung eine wichtige Rolle spielt.


     Beim kriechendem Ringelwurm kann man wellenförmige Bewegungen beobachten, die von vorne nach hinten bzw. von hinten nach vorne über den Körper verlaufen.


    Dies bewirken zwei Muskelschichten, die mit der Oberhaut zum Hautmuskelschlauch verwachsen sind. Durch das Zusammenziehen der inneren Längsmuskelschicht kann sich der Wurm verkürzen, der Körper wird dicker. Zieht sich die äußere Ringmuskelschicht zusammen, wird er lang und dünn. Beide Bewegungen folgen abwechselnd. Dabei verankern die Chintinborsten das Tier im Boden oder auf der Unterlage und verhindern somit das Zurückrutschen des Wurms. Auf diese Weise kann der Regenwurm in seine engen Erdgängen auf- und absteigen.


      Regenwürmer sind Zwitter, d. h. Sie können sich nicht selbst befruchten, aber sie bilden sowohl Ei- als auch Spermienzellen. Bei der Paarung liegen zwei Tiere eng nebeneinander und tauschen ihre Spermien aus, die im Vorratsbehälter des Körperinneren gespeichert werden. Der Gürtel sondert eine Schleimmanschette ab, in die der Wurm ein Eipaket abgibt sobald die Eizellen reif sind. Während sich das Tier aus der Manschette herauswindet, befruchten sich die gespeicherten Spermien – die Eizellen. An der Luft erhärten sich diese abgestreiften Manschetten und  werden zu Kokon, nach wenigen Wochen schlüpfen etwa einen Zentimeter lange Würmchen.


2 Fotos von Hand gezeichnet:©2011 Sylvia Hammer, sylvia.hammer@desillu-hammer.de

Querschnitt des Ringwurmes und  Innerer Bau ( als Desillu – Spielkarten erhältlich )

Die große Bedeutung der Regenwürmer bei Überflutung.



Der Einfluß der Regenwürmer auf die Landwirtschaftlich genutzte Flächen mu? grundsätzlich als äußerst positiv beurteilt werden.

Die jährliche anfallende Streu von krautigen Pflanzen und Laubbäumen arbeiten die Regenwürmer praktisch vollständig in den Boden ein und verbessern damit das Recycling mit natürlichen Nährstoffen. Der von den Regenwurm abgesetzte Kot ist reich an austauschbaren Ionen  und gleichzeitig auch ein guter Ionenaustauscher.

Im Regenwurmkot sind die organischen und mineralischen Komponenten intensiv miteinander vermischt (organo-mineralische Komplexe): In diesen treten große Mengen Bakterien und Aktinomyceten auf, welches sich bereits im Wurmdarm, besonders aber auf dem abgesetzten  Kot vermehren. Die zahlreichen Pilzhypen und Wurzelhaare, zusammen mit den von Bakterien abgesonderten Schleimstoffen, ergeben die sogenannte Lebendverdauung der Krümel, was diesen eine hohe Stabilität verleiht. Schätzungen der Ausdehnung und des Volumens der Regenwurmgänge im Boden ergaben, dass diese sowohl für den Wasser- als auch für den Gashaushalt eine wichtige Rolle spielen müssen.

 Die von den Vertikal grabenden Regenwürmern angelegten Wohnröhren bleiben bei einer Überflutung erhalten und erhöhen oft in entscheidendem Ausmaß die Wasserinfiltrationsraten der Böden. Regenwurmreiche Ackerböden weisen somit in der Regel einen ausgeglicheneren Wasserhaushalt auf.

Die Bedeutung der Regenwurmgänge für das Wurzelwachstum scheint bis heute eher unterschätzt worden zu sein. Heute weiss man, dass die Regenwürmer wichtige Elemente unserer Ökosysteme sind und sehr effizient, jedoch viel subtiler auf die öden wirken als dies je mit einem Pflug erreicht werden kann. Unter großen Energieaufwand erhält man beim Pflügen bloß eine zeitlich gegrenzte physikalische Lockerung des Oberbodens. Regenwürmer hingegen, hinterlassen einen effizienter nährstoffreicher Erdboden.

Typisch für die Regenwürmer ist, das sie bei der Nahrungsaufnahme zusammen mit den verrotteten Organischen Bestandteilen auch größere Mengen Mineralerde in den Darm aufnehmen. Dieser biologisch umgesetzte Boden hat wesentlich andere Qualitäten als mechanisch gelockerter Boden. Die stetigen Kotablagerungen auf der Bodenoberfläche und in den  Regenwurmgängen führen dazu, dass der Oberboden fortwährend mit neugebildeten Mullhumus versorgt wird, führt auch zu einer besseren Nährstoffversorgung der Pflanzen.

Helfen Sie mit: Ihre Entscheidung und unser Kinder, die Zerstörung ihres Lebensraumes durch Schadstoffeinträge und Flächenversiegelung gefährdet nicht nur die Regenwürmer.

Die Schadstoffe können aus privaten wie gewerblichen Anlagen stammen, auch unsachgemäße Anwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln schädigt die Böden. Alle genannten Faktoren bewirken eine Veränderung und Einschränkung der natürlichen Bodenfunktionen. Besonders betroffen davon sind nährstoffarme und flachgründige Standorte, die von Natur aus ein geringeres Puffervermögen gegenüber Bodenveränderungen besitzen. Infolge der allgemeinen Schädigung binden die Böden immer weniger Humusanteile und Mineralstoffe. Das Bodenleben kommt letztlich zum Erliegen, dies führt schrittweise zur vollständigen Erosion des Oberbodens durch Wind und Regen. Weitere Probleme bringen die Verdichtung und die immer mehr zunehmende Versiegelung unserer Böden mit sich. Man hat festgestellt, dass unter völlig versiegelten Flächen wie Fahrbahnen und Parkplätzen keine Bodenlebewesen mehr existieren. Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags „Schutz des Menschen und der Umwelt“ wagt in ihrem Zwischenbericht („Konzept Nachhaltigkeit“) die Prognose, dass weite Flächen des Bundesgebiet in ca. 80 Jahren zugebaut sein werden, wenn die Flächeninanspruchnahme durch Siedlung und Verkehr wie in den letzten 30 Jahren weiter voran schreiten wird.

Es liegt auf der Hand, bei der Planung von neuen Wohn- und Gewerbegebieten auf eine flächensparende Bauweise mit möglichst geringer Flächenversiegelung zu achten.



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