(Flix)

Wenn man heute durch die deutschen Theater und Opernhäuser schaut, fällt einem auf, daß Klassische Stücke in immer kuriosere Lack-, Leder-, Stahl- und Plastikverpackungen gezwängt und einem verstörten Publikum vorgesetzt werden. Nun fängt das auch schon bei den Comics an…. Doch halt. Mitunter gibt es ja auch in modernen Inszenierungen Perlen der Kunst die hervorstechen, wie zum Beispiel im vorliegenden Falle Faust. Selten hat man eine so frisch umgesetzte Handlung des goetschen Hauptwerks gesehen. Gott sitzt gemeinsam mit anderen Gottheiten in einem Großraumbüro und sieht seine Schäfchen einen nach dem anderen an die Konkurrenz oder schlimmer an den Unglauben zu verlieren. Mephisto hat nichts Bessres zu tun, als Gott damit aufzuziehen. Logisch, dass er ihn schließlich zu einer Wette nötigt: Heinrich Faust, eines seiner treuesten Schäfchen, wohnhaft in Berlin soll binnen 5 Tagen seine unsterbliche Seele an den Teufel verkaufen. Mephisto verliert keine Zeit und bietet Faust in seiner Funktion als Privat Coach der „Happy Life Agentur“ ein veritables Leben gegen sein bisschen Seele an. Faust, für den es im Leben im Moment nicht besonders gut läuft willigt unter der Bedingung ein, dass sich sein Herzenswunsch erfüllt und er die holde, türkischstämmige Margarete gewinnen kann. Ein Wettrennen um die Zeit beginnt, über sämtliche Hürden interkultureller Probleme… Ein riesen Spaß aus der Feder von Flix, dem Meister der „Kanten-Nasen“ gespickt mit originell aktualisierten Goethezitaten.

(Uwe Lochmann – Sammlerecke)

Faust – Der Tragödie erster Teil
Carlsen Verlag
96 S., s/w, HC, 14,90 €