Das Konzept
Die grundsätzliche Idee hinter der Hypermedia Novel verfolgt zugleich mehrere Ansätze:
Ähnlich wie die Graphic Novel nach einem Anfang als “Comic“ durch die Kombination von Wort und Bild inzwischen als eigene Kunstform anerkannt ist, soll die HyperMedia Novel (HyMN) traditionelle und moderne Medien zu einem harmonischen Ganzen in narrativem (erzählerischem) Kontext vereinen.
Daneben liefert die HyMN eine generische Struktur für beliebige modular aufgebaute narrative Inhalte. Mit dem Konzept des „Erzählmoduls“ (Narration Module – NarMo), das, eingebettet in einen „Erzählstrang“, entweder direkt multimediale Inhalte tragen oder als Container weitere Erzählmodule in beliebiger hierarchischer Tiefe beinhalten kann, lassen sich sowohl lineare als auch nicht-lineare Geschichten in dramaturgisch konsistenter oder auch interaktiv verzweigender Weise organisieren. Verschiedene Pfade führen auf unterschiedliche Weise durch die selbe Erzählung. Die Gesamtstruktur erlaubt jedoch zu jedem beliebigen Zeitpunkt den Wechsel zu einem anderen Pfad ohne Verlust der Konsistenz. Dabei legen serielle Container eine dramaturgisch sinnvolle Reihenfolge von Erzählmodulen fest, während parallele Container Alternativen gleichen Inhalts, aber unterschiedlicher Darstellungsformen, Blickwinkel, oder Detailstufen anbieten.
Schließlich stellt die HyMN auch eine Plattform für verteilte Autorenschaft zur Verfügung, mit deren Hilfe jederzeit ein Rollenwechsel vom Rezipienten zum Autor möglich ist. Neue Erzählmodule können beliebig separat erstellt und wahlweise lokal eingebunden oder auch über einen Server hochgeladen und der Allgemeinheit verfügbar gemacht werden. So kann eine Geschichte vom knappen Exposé über die Zeit zu einem umfangreichen multimedialen Erzählkomplex heranwachsen.

Der Demonstrator
„Das Tor im Schatten des Mondes“ ist eine Mystery-Erzählung, die in den Jahren 2001-2003 in einem studentischen Projekt an der FH Bonn-Rhein-Sieg erstellt wurde, um einen Eindruck von dem Potenzial der Hypermedia Novel als neuartige Erzählform zu vermitteln. Sämtliches Material wurde von den beteiligten Autoren – soweit nicht anders angegeben – selbst erstellt.
Die Geschichte erzählt von der Theologie-Studentin Sophie Nogard, die bei den Recherchen zu ihrer Doktorarbeit auf ein altes Geheimnis mit höchst aktuellem Bezug stößt. Zwischen verschiedenen Interessensgruppen hin und her gerissen muss sie schließlich während einer Sonnenfinsternis eine Entscheidung treffen, die über die Zukunft der Menschheit entscheiden kann.
Der Demonstrator soll einen ersten Eindruck davon vermitteln, wie eine Hypermedia Novel auf Rezipientenseite funktionieren kann. Bisher wurde hier weder die grundsätzlich unbegrenzte hierarchische Verschachtelung von Erzählmodulen noch das Umschalten auf einen „Autorenmodus“ realisiert. Zur Betrachtung ist ein Webbrowser mit Flash-Plugin erforderlich. Für die 3D-Szene in einem einzelnen Modul wird ein VRML-Player benötigt.

Der Autor
Wolfgang Heiden studierte Biologie an der Universität Würzburg und promovierte am Institut für Physikalische Chemie der Technischen Universität Darmstadt. Nach Arbeiten im Projektmanagement internationaler Multimediaprojekte am Deutschen Forschungszentrum Informationstechnik (GMD) und Gutachtertätigkeiten, u.a. für die Europäische Kommission, hat er den Studienschwerpunkt Medieninformatik an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg aufgebaut, wo er seit 1998 als Professor für Angewandte Informatik, insbesondere Hypermedia- und Multimediasysteme, unterrichtet und zugleich als Mitglied der Kompetenzplattform Bioengineering die Forschung im Grenzbereich zwischen Biologie und Informatik nie aus den Augen gelassen hat.
Darüber hinaus hat er sich als Autor und Zeichner von Comics und Kurzgeschichten betätigt und, zusammen mit seinem Doktorvater, Jürgen Brickmann oder dem Künstler-Forscher Karsten Panzer PerZan an Kunstausstellungen mitgewirkt.

Mit einem Klick auf den folgenden Link gelangen Sie zur Hypermedia Novel:
Das Tor im Schatten des Mondes

Kontakt HyMN-Projekt:  Bernd Schwambach, Tel.02241-1462779, eMail: berndschwambach@t-online.de